Parodontitis

Oktober 5, 2024
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Die Diagnose „Parodontitis“ wirft bei vielen Patienten zahlreiche Fragen auf. Was sind die Ursachen? Welche Symptome können auftreten? Wir klären in diesem Ratgeber über diese chronisch-entzündliche Erkrankung auf. 

Was ist Parodontitis?

Die Parodontitis ist eine durch Bakterien hervorgerufene, entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparates (Parodontium). Dieser verankert die Zähne im Kiefer. Er besteht aus dem Kieferknochen, feinen Bindegewebsfasern, der Wurzeloberfläche und dem Zahnfleisch (Gingiva), das den äußeren Abschluss des Zahnhalteapparates bildet und der einzige sichtbare Teil dieses Systems ist.

Parodontitis verläuft chronisch mit akuten Schüben. Zunächst ist nur das Zahnfleisch leicht entzündet (Gingivitis), was zu keinen dauerhaften Schäden führt. Bei einer Fortschreitung der Entzündung sind dann alle Teile des Zahnhalteapparates betroffen (Parodontitis) und es kann zu einer Zerstörung des Kieferknochens und der Haltefasern des Zahnes kommen. Das hat zur Folge, dass sich der Zahn lockert und das kann unbehandelt zum Zahnverlust führen.

Parodontitis beginnt fast unbemerkt, schmerzarm und verläuft langsam über Jahre. Erst im akuten Stadium zeigen sich die Symptome einer Parodontitis.

Die Symptome einer Parodontitis

Parodontitis verursacht in den seltensten Fällen Schmerzen. Die Erkrankung wird daher oft erst in einem weit fortgeschrittenen Stadium erkannt. Folgende Warnsignale sind zu beachten:  

  • Rotes, geschwollenes und entzündetes Zahnfleisch 
  • Zahnfleischbluten (z. B. beim Zähneputzen oder beim Kauen harter Speisen) 
  • Schmerzen beim Kauen 
  • Hartnäckiger, oft fauliger Mundgeruch 
  • Zähne werden länger und können sich drehen 
  • Zähne werden locker 
  • Im Endstadium droht Zahnverlust 

Gesundes Zahnfleisch ist rosa, straff und umschließt den Zahnhals wie eine Manschette, um ihn gegenüber der Mundhöhle abzudichten. Der Zahn sitzt fest in seinem Zahnbett und keine der oben genannten Symptome sind vorhanden. 

Selbsttest Parodontitis

Falls Sie eine oder mehrerer dieser Fragen mit „Ja“ beantwortet haben, informieren Sie bitte Ihren Zahnarzt. Dieser kann durch die parodontale Grunduntersuchung (PGU) feststellen, ob eine Parodontitis-Behandlung notwendig ist. 

Wie entsteht Parodontitis?

In der Mundhöhle gibt es tausende verschiedene Mikroorganismen wie Bakterien, Viren und Pilze – auch orales Mikrobiom oder Mundflora genannt. In einer ausgeglichenen Mundflora leben diese in einer harmonischen Gemeinschaft untereinander und mit uns (Symbiose), wehren schädliche Erreger ab und schützen so Zähne und Zahnfleisch. 

Unter den Bakterien befinden sich jedoch auch schädliche Arten, die sich − wenn sie nicht entfernt werden und viele zuckerhaltige Speisereste als Nahrungsquelle vorfinden − rasch vermehren. Plaquebakterien wie Streptokokken oder Laktobazillen sind darauf spezialisiert, auf der Zahnoberfläche zu wachsen. Siedeln sie sich dort an, bilden sie Zahnbelag, der als Plaque bezeichnet wird. Mit der Zeit lagern sich Mineralstoffe aus dem Speichel, die hauptsächlich aus Kalziumphosphat bestehen, im Zahnbelag ein und verhärten, weshalb man auch von verkalktem Zahnbelag spricht. Aus der zuvor weichen Plaque wird so harter Zahnstein, der vom Zahnarzt professionell entfernt werden muss. 

Werden diese Ablagerungen nicht regelmäßig entfernt, vermehren sich vor allem krankmachende Bakterien im Bereich des Saumepithels, das den Abschluss zwischen Zahn und Zahnfleisch bildet. Das harmonische Gleichgewicht wird so gestört und es entwickelt sich ein Entzündungsgeschehen. Das Zahnfleisch zieht sich daraufhin immer weiter zurück und mit der Zeit entsteht eine Zahnfleischtasche − ein optimaler Lebensraum für krankmachende Bakterien und ihre Gifte. 

In weiterer Folge wird durch die langsam fortschreitende Entzündung immer mehr Zahnfleisch und letzten Endes auch Kieferknochen abgebaut. Dadurch verliert der Zahn zunehmend an Halt, bis er schließlich von selbst ausfällt oder vom Zahnarzt entfernt werden muss (Zahnverlust). 

Parodontitis hat Auswirkungen auf den gesamten Körper

Es ist wichtig zu wissen, dass die Bakterien und deren Gifte nicht auf die Zahnfleischtasche beschränkt bleiben, sondern durch die aufgebrochene Mundschleimhautbarriere in das umliegende Gewebe und dort in Lymph- und Blutgefäße gelangen − und sich so im ganzen Körper ausbreiten können. Man hat orale Bakterien und ihre Toxine mittlerweile bei einer Vielzahl systemischer Erkrankung gefunden.

Insbesondere der Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes II, rheumatoider Arthritis etc. ist wissenschaftlich bewiesen und anerkannt. Siehe dazu unseren Ratgeber: „Parodontitis und chronische Erkrankungen“.

Parodontitis ist eine „Volkskrankheit“

Aufgrund der vorliegenden Daten geht man davon aus, dass etwa eine Million Menschen in Österreich an einer Parodontitis erkrankt sind. Diese Zahlen sind im Verhältnis zur Einwohnerzahl auch auf andere Länder übertragbar. Von den ca. einer Million Betroffenen in Österreich sind jedoch nur rund 10 % in parodontaler Behandlung.

Die Rolle des Immunsystems bei Parodontitis

Umso wichtiger ist es, ein umfassendes Therapiekonzept in der Parodontitis-Behandlung zu integrieren und neben der notwendigen Reinigung die Bekämpfung der Entzündung in Mittelpunkt zu rücken. Nur durch einen Stopp der Entzündung kann das unkontrollierte Fortschreiten der Parodontitis in die Tiefe und damit der Zahnverlust vermieden werden.

Entzündungen sind ein Immunabwehrmechanismus. Ist das Immunsystem stark genug, um die bakteriellen oder viralen Angriffe zu bekämpfen, kommt die Erkrankung zum Stillstand oder kann ausheilen. Bei Parodontitis konzentriert sich die moderne Forschung auf die Beherrschung der Entzündung und auf die Unterstützung der individuellen Immunabwehr des Patienten, denn diese ist mitentscheidend für den Erfolg der Therapie. Dabei spielt ein körpereigener Stoff – das Coenzym Q10 – eine Schlüsselrolle: Der Einsatz von flüssigem Coenzym Q10 hat sich in der Parodontitis-Therapie daher besonders bewährt.

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